Mit den momentanen Richtlinien trifft man sich beim Tambourenverein seit Monaten zur „Online-Mittwochsprobe“. Das Repertoire wird gepflegt und neue Stücke werden gelernt. Das Trommelfieber hat die Mitglieder also weiterhin fest im Griff. Momentan wird auch an vielen verschiedenen Projekten gearbeitet, damit der Wiedereinstieg reibungslos verläuft und das Vereinsleben nachhaltig verbessert werden kann. Der Materialwart beispielsweise bringt die verschiedenen Instrumente in Schwung – mit verschiedenen Helfer  werden die Jungtambourentrommeln geschränkt, Chässchachteli repariert und Tom-Felle ausgetauscht. Dabei wurde auch eine Trommel von einem Zapfenstreichtambour restauriert – was es mit dem Schmuckstück aus alten Zeiten auf sich hat und wie aus „Alt“ nun genau „Neu“ wurde erfährt ihr aus erster Hand von unserem Materialwart Michael Siegrist:

Pascal Spano aus Rupperswil ist ein ehemaliger Jungtambour des TV Lenzburg und ist zurzeit als Vorstandsmitglied und als Hauptleitung der Jugendriege im Turnverein Rupperswil sehr aktiv. Ein früheres Mitglied des Turnvereins namens Fritz Flückiger ist in die asiatischen Länder ausgewandert und hat bei der Auflösung seines Haushalts im Keller noch eine alte Trommel ausgegraben. Zuerst wusste Fritz nicht was er mit dieser alten Büchse, die er von seinem Vater geerbt hat, anzustellen vermochte. Weil er aber wusste, dass Pascal mal getrommelt hat, fragte er ihn, ob er die Trommel haben will, bevor er sie wegwirft. Pascal überlegte kurz und entschied sich, diese Trommel zu restaurieren.

Zuhause begann Pascal die Trommel auseinander zu bauen, alles zu begutachten und die Einzelteile zu überholen. Die Zarge wurde auf Hochglanz poliert, die Trommelreifen wurden abgeschliffen und neu lackiert. Er bemerkte, dass gewisse Teile eventuell ersetzt werden sollten. Nach dem Besuch beim Trommelbau Schlebach und der professionellen Beratung durch Stefan Freiermuth wurde ihm geraten, diverse Bauteile neu zu kaufen.

Für den Zusammenbau braucht es gewisse Erfahrung. Pascal fragte Sascha Holliger und mich für den Zusammenbau um etwas Unterstützung. Natürlich haben wir ohne Zögern zugesagt. Während des Restaurierens fiel mir auf, dass ich sogar den Vorbesitzer Fritz kenne: Damals als kleiner Rupperswiler und Jungtambour von Lenzburg trommelte ich vor rund 30 Jahren am Räbeliechtli-Umzug durch das Dorf und neben mir trommelte Fritz mit dieser alten Büchse, die ich jetzt mit Pascal und Sascha revidieren durfte.

Auch für erfahrene Tambouren ist es bei solchen Projekten immer wieder eine tolle Lehrstunde, in der man das eine oder andere dazu lernen kann. Wie zum Beispiel das Einziehen von Seil und Strupfen, das richtige Positionieren des Dämpferbandes oder das richtige Einfädeln der verschiedenen Saiten und deren Spannung. Nachdem das neue Saitenfell aufgezogen war, wurden die 3 verschiedenen Saiten (Piano, Mezzo-Forte und Forte) eingestellt und der untere Reif aufgezogen.

Bevor das Schlagfell montiert wird, muss ein Dämpferband im richtigen Abstand und korrekter Spannung befestigt werden. Nachdem beide Felle und Reifen in der korrekten Position sind, kann das Seil mit den Struppen eingeführt werden.  Bei diesem Schritt sieht man sich immer schon am Ende des Zusammenbaus und fühlt sich sicher…

..…und schon hat man wieder verpasst, eine Strupfe einzufädeln oder ist mit dem Seil woanders lang, als vorgesehen.

Nach dem Einziehen des Seils wird die Trommel in den Schränkbock gespannt, um unter Spannung die Seile nachzuziehen und die Felle zu spannen. Dies nennt man „schränken“ und muss bei Metall-Instrumenten einmal jährlich und bei Holzinstrumenten mehrmals jährlich gemacht werden. Bei einer Restaurierung in diesem Rahmen mit Fellwechsel, neuem Seil und Strupfen, wurde zweimal innert Kürze geschränkt. Danach haben wir die verschiedenen Saiten eingestellt und Pascal durfte das erste Mal auf seiner „neuen-alten“ Trommel den Zapfenstreich vorführen.

Ich freue mich jetzt schon auf das Wiedersehen am Zapfenstreich mit Pascal und seiner „alten Perle“. Es ist schön zu sehen, wie man einem Kollegen mit verhältnismässig kleinem Aufwand eine grosse Freude bereiten kann.

Euer Materialwart,

Michael Siegrist